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Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, 13 CDs - bei Medienshop2000

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Hörbuch, 13 CDs


Herkunft Felix Krulls

Felix Krull ist ein Sonntagskind: "Der Rheingau hat mich hervorgebracht" [2], an "einem Sonntage übrigens" [3], als Sohn eines Sektfabrikanten.

Die Eingangstür der väterlichen Villa löste beim Schließen ein kleines Glockenspiel aus, das "den Anfang des Liedes 'Freut euch des Lebens' spielte", - Motto und Lebenseinstellung im Hause Krull. Felix Krull schreibt rückblickend: "Ich stamme aus feinbürgerlichem, wenn auch liederlichem Hause." [4] Das Wort "feinbürgerlich" trägt Felix Krulls Unbildung Rechnung: Er meint "gutbürgerlich". Das Wort "liederlich" ist eine autobiografische Anspielung Thomas Manns. Der Hauptpastor Ramke von St. Marien in Lübeck, Thomas Manns Geburtsstadt, hatte nach dem Tod von Thomas Manns Vater über die verbliebenen Manns als einer "verrottet[en]" Familie gesprochen.[5]

Theater als vereinbarte Illusion

Nach einem Theaterbesuch durchschaut das Kind Felix Theater als den "Genuß einer vereinbarten Illusion" [6].

Gegeben wird eine nicht näher genannte Operette. Star und Publikumsliebling der Aufführung ist Müller-Rosé. Er spielt einen Gesandtschaftsattaché, einen sympathischen jungen Schwerenöter und Schürzenjäger.

Mit Müller-Rosé war Felix´ Vater in seiner Pariser Zeit befreundet. Nach der Vorstellung besucht der Vater ihn in dessen Garderobe und nimmt den kleinen Felix mit.

"Ein Anblick von unvergesslicher Widerlichkeit bot sich dem Knaben dar. An einem schmutzigen Tisch und vor einem staubigen und beklecksten Spiegel saß Müller-Rosé, nichts weiter am Leibe als eine Unterhose aus grauem Trikot."

Felix "erkannte [...], daß er rothaarig war. Noch war sein eines Auge schwarz ummalt, und metallisch schwarz glänzender Staub haftete in den Wimpern, indes das andere nackt, wässerig, frech und vom Reiben entzündet den Besuchern entgegenblinzelte. Das alles jedoch hätte hingehen mögen, wenn nicht Brust, Schultern, Rücken und Oberarme Müller-Rosés mit Pickeln besät gewesen wären. Es waren abscheuliche Pickel, rot umrändert, mit Eiterköpfen versehen, auch blutend zum Teil. [...] Dies also - so etwa gingen damals meine Gedanken -, dies verschmierte und aussätzige Individuum ist der Herzensdieb, zudem soeben die graue Menge sehnsüchtig emporträumte! Ihm war es gelungen, der Menge das Ideal ihres Herzens in seiner Person erblicken zu lassen und sie dadurch unendlich zu erbauen und zu beleben!" [7]

Der Vierzehnjährige ist erschrocken über die Doppelnatur des widerwärtige Kerls in der Garderobe und der Lichtgestalt auf der Bühne. Doch dann kann er beide Erscheinungen in Einklang bringen, - Wirklichkeit und schönen Schein der Operettenbühne:

"Wieviel Bewunderung gebührt ihm nicht für das, was ihm heute gelang und offenbar täglich gelingt! Gebiete deinem Ekel und empfinde ganz, daß er es vermochte, sich in dem geheimen Bewusstsein und Gefühl dieser abscheulichen Pickel mit so betörender Selbstgefälligkeit vor der Menge zu bewegen, ja, unterstützt durch Licht und Fett, Musik und Entfernung, diese Menge das Ideal ihres Herzens in seiner Person erblicken zu lassen und sie dadurch unendlich zu erbauen und zu beleben. [...] Welche Einmütigkeit in dem guten Willen, sich verführen zu lassen. [...] Lediglich der Hang und Drang seines Herzens zu jener bedürftigen Menge hat ihn zu seinen Künsten geschickt gemacht; und wenn er ihr Lebensfreude spendet, sie ihn dafür mit Beifall sättigt, ist es nicht ein wechselseitiges Sich-Genüge-Tun, eine hochzeitliche Begegnung ihrer Begierden?"[8]

Der Theaterbesuch wird zum Schlüsselerlebnis für den künftigen Hochstapler und Hoteldieb. Er meint, mit seinen Selbstinszenierungen der Umwelt eine Art Liebesdienst zu erweisen, dem jeweiligen Gegenüber geheime Identitätswünsche zu erfüllen. Schon sein Vater, der Sektfabrikant, hatte seine minderwertige Produktion gerechtfertigt mit der Sentenz: "[...] kurz, ich gebe dem Publikum, woran es glaubt."[9]

Früher Lug und Trug

Dem Schüler Felix Krull behagt die Schule nicht. Um dem "feindselige[n] Institut" [10], zu entkommen, wo er nur mäßige Erfolge hat und wo er von seinen Mitschülern „geschnitten“ wird, übt er, Krankheiten zu simulieren und bringt es mit Willensstärke soweit, dass selbst der Hausarzt, der ihn durchschaut, vor seiner konsequenten Schauspielerei kapituliert[11].

Selbstverliebt erinnert sich der Memoirenschreiber an eine kleine Dieberei, die er auf dem Schulweg begangen hat. Mutterseelenallein in einem Delikatessenladen erliegt er dem "Zauber" der dargebotenen Süßigkeiten. Auf den möglichen Vorwurf des Lesers, dies sei Diebstahl, meint der alt gewordene Felix Krull, das sei ein „armseliges Wort“, - eine "Fliegenklatsche [...], die niemals trifft" [12]. Er habe es sich „gefallen lassen müssen“, von der "bürgerlichen Gerichtsbarkeit" mit derartigen Vorwürfen konfrontiert zu werden. Seine Tat jedoch sei die eines Gunstkindes des Schicksals gewesen, nicht die von Krethi und Plethi.

"Vertreibung" aus dem Rheingau

Felix Krulls Vater geht mit seiner minderwertigen Sektproduktion Bankrott und erschießt sich. Aber an dem Konkurs sei nicht Engelbert Krull selbst schuld gewesen, sondern ein jüdischer Bankier, der "einer der verhärtetsten Halsabschneider war"[13], wie der Memoirenschreiber anmerkt.

Mit dem verschwenderischen Leben in der Villa ist es nun vorbei. Felix' Mutter muss fortan den Rest der Familie mit dem Betrieb einer Pension unterhalten, die sie in Frankfurt eröffnet. Felix betätigt sich vorübergehend im Frankfurter Rotlichtmilieu als Zuhälter, indem er "mäßige Teilhaberschaft an dem Gewinn"[14] der Prostituierten Rozsa beansprucht, die nach dem Zimmermädchen Genovefa [15] Felix alle Raffinements des Liebeslebens beibringt.

Musterung

Ein Bravourstück liefert Felix Krull während der Musterung zum Militär. Er spielt Arzt und Kommission einen epileptischen Anfall vor, nachdem er zuvor die dazu passende Anamnese (Krankengeschichte) dem Mediziner angeboten bzw. sich hat abfragen lassen.[16]

"Mein Gesicht verzerrte sich - aber damit ist wenig gesagt. Es verzerrte sich auf eine meiner Meinung nach völlig neue und schreckenerregende Art, so, wie keine menschliche Leidenschaft, sondern nur teuflischer Einfluss und Antrieb ein Menschenantlitz verzerren kann. Meine Züge wurden buchstäblich nach allen vier Seiten, nach oben und unten, rechts und links auseinandergesprengt, um gleich darauf wieder gegen die Mitte zusammenzuschrumpfen; ein abscheulich einseitiges Grinsen zerriss danach meine linke, dann meine rechte Wange".

Der Militärarzt hält ihn für einen Epileptiker und mustert ihn aus. Auf die Simulation hatte sich der Gestellungspflichtige "mit großer Genauigkeit, ja streng wissenschaftlich" vorbereitet. [17], - durch das Lesen von einschlägiger Fachliteratur. Thomas Mann hat es ebenso gehalten. Für die schriftstellerische Produktion hat er sich stets das jeweilige Fachwissen angeeignet.

Hotelkarriere

Als Berufswahl rät sein Pate Schimmelpreester dem herangewachsenen Felix, vorerst die "Hotelkarriere" einzuschlagen. Er kann ihm auch eine Anstellung in einem angesehenen Pariser Hotel vermitteln. Auf der Reise nach Paris steht Felix Krull während der Zollabfertigung neben einer Dame, die reich wirkt. Der Gepäckinhalt liegt ausgebreitet auf dem Tisch der Zollstation. Die Schmuckkassette der Dame kommt dicht neben seinen Sachen zu liegen. Felix Krull stiehlt sie heimlich.

In dem luxuriösen Pariser Hotel beginnt Felix Krull zunächst als Liftboy. Im Fahrstuhl steht er eines Tages der Dame gegenüber, die er während der Zollabfertigung bestohlen hatte. Den Dieb erkennt die Dame in dem adretten Liftboy nicht. Dem charmanten Felix gelingt es, ein nächtliches Rendezvous mit ihr einzufädeln. Sie ist Schriftstellerin, publiziert ihre Werke unter dem Pseudonym Diane Philibert und ist mit einem Klosettschüssel-Fabrikanten verheiratet. Als ihr Felix gesteht, sie bestohlen zu haben, ist die reiche Frau entzückt. Mythologisch gebildet, sieht sie in Felix das Abbild des antiken Hermes, der unter anderem selbst ein Dieb war und so in der Antike zum Schutzgott der Diebe avancierte. Die Wonnekommentare der schon reiferen Frau über Felix´ Liebestüchtigkeit, als sie in seinen Armen liegt, sind ein erotisch-schriftstellerisches Meisterstück des sechsundsiebzigjährigen Thomas Mann.

Felix Krull steigt zum Kellner auf, bald zum Oberkellner. In seiner Freizeit kann er sich mit dem Erlös aus dem Diebesgut einen dandyhaften Lebensstil leisten. Die "Hotelkarriere" will er aber nicht abbrechen. Sie soll ihn letztlich weiter bringen. Erst als er den jungen, reichen Marquis de Venosta durch seine Berufstätigkeit kennen lernt, gibt er die Arbeit im Hotel auf.

Zirkusbesuch

Während eines Zirkusbesuches wird Felix Krull bewusst, dass er ebenfalls Künstler ist und kein gewöhnlicher Zuschauer. Die Darbietungen der Artisten, insbesondere der Trapezkünstlerin Andromache, sieht er wie jemand, der sich vom "Bau"[18], vom Fach fühlt. "Nicht vom circensischem Fach, vom Salto-mortale-Fach, natürlich, konnte ich mich fühlen, aber vom Fach im allgemeineren, vom Fach der Wirkung, der Menschenbeglückung und -bezauberung."

In den Artisten erkennt Felix Krull seinesgleichen. Er will bezaubern wie sie und geht damit, so sieht er es, ein vergleichbares Risiko ein wie die Trapezartisten unter der Zirkuskuppel.

Eleanor Twentyman, Lord Kilmarnock

Gelegenheit, die Hotelkarriere aufzugeben, hat es für Felix Krull bereits zweimal gegeben.

Unter dem "polierten Pöbel", umschwänzelt und verpflegt von befrackten Kellnern, ist auch Mr. Twentyman, ein neureicher Industrieller aus Birmingham mit rotem Portweingesicht. Mit Gattin und Tochter nebst Zofe bewohnt er über Wochen eine Suite. Die Tochter Eleanor, "ein blondes Ding, hübsch nach Art eines Zickleins [19], mit den rührendsten Schlüsselbeinen der Welt" verliebt sich heftig in Felix Krull. Er hat seine liebe Not mit ihr und gibt sich alle Mühe, dem "Klein-Mädchen-Wildfang" [20] ein gemeinsames Durchbrennen schonend auszureden.

Gleichzeitig wirbt "eine Persönlichkeit ernsteren Gewichts" [21] um ihn, dessen Empfindungen "etwas wogen auf der Waage der Menschheit". Es ist Lord Kilmarnock, von schottischem Hochadel, "ein Mann von sichtlicher Vornehmheit, um die Fünfzig, mäßig hoch gewachsen, schlank, äußert akkurat gekleidet, mit noch ziemlich dichtem, eisenfarbig ergrautem Haar und einem gestutztem, ebenfalls leicht ergrautem Schnurrbart, der den bis zur Anmut fein geschwungenen Mund freigab." [22] Thomas Mann hat sich mit der Figur des Lord Kilmarnock porträtiert. [23] Wie der Lord hatte er viel Sinn für hübsche junge Männer. Auch seine persönliche Wirkung hat er Lord Kilmarnock mitgegeben: "Sein Eintritt in den Saal war immer von einer Befangenheit, die bei einem so großen Herrn hätte befremden können, seinem Ansehen aber, wenigstens in meinen [Felix Krulls] Augen, keinen Abbruch tat." [24] Lord Kilmarnock möchte Felix Krull mit sich nehmen auf sein Schloss nach Schottland, als Kammerdiener. Sein Salär würde ein Vielfaches betragen als in seiner gegenwärtigen Stellung, seine Pflichten würden sich, da genügend Dienerschaft vorhanden sei, ganz auf die Betreuung Lord Kilmarnocks beschränken. Seine leise gesprochene Bitte: "Es ist der Wunsch eines einsamen Herzens" [25].

Felix Krull widersteht Eleanor Twentyman und Lord Kilmarnock. Beide kann er mit gut gewählten Worten trösten. Der traurige Lord schenkt ihm zum Abschied seinen Ring, auf den ein sehr schöner Smaragd gearbeitet ist, den der Memoirenschreiber, der alt gewordene Felix Krull, noch immer besitzt.

Der Vorname Lord Kilmarnocks, Nectan, kann auf den keltischen Heiligen Sankt Nectan bezogen werden, der ein Teil seines Lebens als Eremit verbracht hat, einsam und abgeschnitten von der Gesellschaft.

Der Rollentausch

Felix Krull spielt vertretungsweise den etwa gleichaltrigen Marquis de Venosta, um ihm ein Alibi vor seinen strengen Eltern zu verschaffen. Der Marquis kann sich so ungestört seiner leichtsinnigen Pariser Liebschaft widmen. In der Rolle des reichen Marquis tritt Felix Krull eine Weltreise an.

Zunächst geht es im Nachtzug nach Lissabon. Im Speisewagen sitzt Felix Krull dem mitteilungsbedürftigen Professor Kuckuck gegenüber. Er findet Gefallen an dem gut aussehenden jungen Marquis. Im Verlaufe der Unterhaltung kommt es zu einem kleinen Privatseminar, dem der aufnahmewillige Felix Krull gespannt folgt. Professor Kuckuck plaudert über die Evolution. Zum Schluss verrät er, nachdem er sich vorsichtshalber noch einmal umgesehen hat, ein Geheimnis: Seine Sicht der Kosmogonie.

Es habe nicht eine, sondern drei "Urzeugungen" gegeben: Die Entstehung des Seins aus dem Nichts, die Erweckung des Lebens aus dem Sein und das Hinzukommen von einem Dritten: Das Wissen von Anfang und Ende. Dieses, nur dem Homo sapiens gegebene Wissen, unterscheide ihn von aller Natur, der organischen und dem bloßen Sein. 'Das Wissen von Anfang und Ende' ist eine Umschreibung Thomas Manns für Vorstellung im Sinne Schopenhauers, für die Dimension des Geistigen.

Thomas Mann legt diese Philosophie Professor Kuckuck in den Mund, dem er Schopenhauers "Sternenaugen" [26] verliehen hat. Aber ein Jahr zuvor hatte er dieses Weltbild bereits unter eigenem Namen vorgestellt ("Lob der Vergänglichkeit").

Professor Kuckuck hat seine innerste Weltsicht preisgegeben. Sehr bewegt muss er - um sich zu beruhigen - einen Schluck Wasser trinken. Aber der Zug auf seiner nächtlichen Fahrt macht einen S chlenker, Professor Kuckuck schweppert. Mit dem kleinen Missgeschick hat Thomas Mann nach soviel Tiefgang wieder in den parodistischen Ton des Hochstapler-Romans zurück gefunden.

Liebesabenteuer in Lissabon

In Lissabon, der ersten Station seiner Weltreise, hat Felix Krull als Marquis de Venosta Anschluss an Professor Kuckucks Familie bekommen. Der Gelehrte stammt aus Deutschland, hat in Lissabon geheiratet und ist Vater einer sehr hübschen, aber schnippischen Tochter. Sie scheint, so vermutet Felix, mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter ihres Vaters verlobt zu sein. Dies entpuppt sich jedoch schnell als eine Fehlbeobachtung Felix'. Kuckucks Frau, Senhora Maria Pia, gibt eine rassige Erscheinung ab, hoheitsvoll, mit „königlichem Busen“. Ihre Oberlippe ziert ein kaum merklicher Bartflaum. Felix Krull ist von Tochter und Mutter gleichermaßen beeindruckt.

Der Tochter - sie wird von Nahestehenden meistens Zouzou genannt, heißt aber Suzanna - macht Felix hartnäckig den Hof. Nach dem Erlebnis eines Stierkampfes zusammen mit der Familie Kuckuck trifft es sich, dass Felix endlich mit ihr allein ist. Er sieht sich am Ziel seiner Wünsche. Doch die Mutter tritt dazwischen, schickt "Suzanna" weg von "Busch und Bank" und fordert den verunsicherten Felix auf, ihr zu folgen, durch Salon und Speisezimmer und von da in einen "intimere[n] Raum".

Senhora Maria Pia schließt die Tür und setzt zu einer Strafpredigt an, kommt aber ziemlich schnell davon ab und bietet Felix Krull "Trost" an: "Maria!" rief ich. Und: "Holé! Heho! Ahe!" rief sie mit mächtigem Jubel [27]. Ein Wirbelsturm urtümlicher Kräfte trug mich ins Reich der Wonne. Und hoch, stürmischer als beim iberischen Blutspiel, sah ich unter meinen glühenden Zärtlichkeiten den königlichen Busen wogen."[28] Quelle und Einzelnachweise: Wikipedia

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