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Doktor Faustus ist die Biografie des fiktiven Komponisten Adrian Leverkühn, verfasst von seinem Freund Serenus Zeitblom. Serenus Zeitblom und Thomas Mann, im kalifornischen Exil, beginnen am 23. Mai 1943 mit der Biografie. Serenus Zeitblom lässt im Rückblick auf Leverkühns Lebensweg und seine Produktionen immer wieder Berichte und Kommentare zu den Ereignissen der Kriegsjahre 1943 bis 1945 einfließen. Mit diesem Kunstgriff, Erzählzeit und erzählte Zeit in Beziehung zu setzen, parallelisiert Thomas Mann Adrian Leverkühns Schicksal mit dem Deutschlands.
Adrian Leverkühn wird 1885 auf dem Bauernhof Buchel bei Weißenfels geboren. Er hat zwei Geschwister, Georg und Ursula, mit denen er in freundschaftlichem, aber distanziertem Verhältnis steht. Mit den Geschwistern macht Leverkühn auch seine ersten musikalischen Erfahrungen beim gemeinsamen Kanonsingen unter Anleitung der Stallmagd Hanne.
Leverkühns Vater, der wissenschaftlich interessiert ist und in seiner Freizeit mit kleinen naturwissenschaftlichen Experimenten laboriert, sorgt für die Ausbildung von Adrian und seinem Bruder Georg durch einen Hauslehrer. Adrian ist so begabt, dass der Lehrer, als Adrian 8 Jahre alt ist, bekennt, ihm nichts mehr beibringen zu können. Adrian besucht ab nun das Gymnasium in dem nahe gelegenen Kaisersaschern - einem fiktiven Ort an der Saale, etwa in der Nähe von Merseburg und Naumburg. Er wohnt dort bei seinem Onkel, einem weit über Kaisersaschern hinaus bekannten Händler für Musik-Instrumente.
Aus Kaisersaschern stammt der Kindheitsfreund Serenus Zeitblom, sein späterer Biograph. In dem umfänglichen Warenlager des Onkels lernt Adrian alle Musikinstrumente kennen, auch sehr seltene. Neben der schulischen Ausbildung bekommt er Klavierunterricht vom Dom-Organisten Wendell Kretzschmar. Dieser wird fortan sein musikalischer Mentor bleiben. Durch eine episodische Einschaltung, in der über einen öffentlichen, aber nur schwach besuchten Musikvortrag Wendell Kretzschmars berichtet wird, bekommt der Leser einen nachhaltigen Eindruck von Kretzschmars musikalischer Kompetenz, die von seinen regelmäßigen Stotter-Anfällen nicht behindert wird. Von Wendell Kretzschmar erhält Adrian auch Unterricht in Orgelspiel und Kompositionslehre.
Nach Abschluss des Gymnasiums studiert Leverkühn nicht, wie erwartet, Musik, sondern Theologie in Halle. Doch dann bricht er dieses Studium nach dem 4. Semester ab und wendet sich ganz der Musik zu. Sein Musikstudium nimmt er zu Beginn des Wintersemesters (1905) in Leipzig auf, wohin bereits Wendell Kretzschmar als Dozent berufen worden war. Nebenher belegt Leverkühn philosophische Vorlesungen und erwirbt in diesem Fach seinen Doktorgrad.
Neben dieser äußeren Entwicklung Leverkühns vollzieht sich während des Leipzig-Aufenthalts sehr stark und rasch seine innere Entwicklung. Insbesondere der Kontakt zu einer Prostituierten ("Esmeralda"), die der Komponist scheinbar zufällig kennenlernt, bewirkt, dass Leverkühn sich immer mehr zum Teufel hingezogen fühlt. Der Ruf "hetaera esmeralda", den Leverkühn auch motivisch als "h-e-a-e-es" wiederkehrend in seine Werke einbaut, bewirkt die Lockung des Teufels. Adrian Leverkühn infiziert sich, um Genialität zu erlangen und um die neuartigen Musikwerke schreiben zu können, die ihm vorschweben, bei der Prostituierten bewusst mit Syphilis.
Nach Abschluss des Studiums zieht Adrian Leverkühn für neun Monate nach München, verbringt danach aber fast zwei Jahre in Italien. Hier ereignet sich auch die Begegnung mit dem Teufel (ob als Fieberphantasie oder real, bleibt offen). Das Teufelsgespräch, in dem die Bedingungen des Paktes abgesprochen werden, zählt zu den Höhepunkten des Romans. Leverkühn muss dem Teufel seine Seele vermachen und auf Liebe verzichten, sofern sie wärmt. Dafür wird ihm der Teufel Genialität verleihen, für 24 Jahre. Der Teufel hält Wort. Leverkühn gelingen bis 1930 mehr und mehr neuartige Kompositionen, er wird unter Kennern berühmt. Unterbrochen wird sein Schaffen immer wieder durch starke Migräne, an der Leverkühn seit seiner Kindheit leidet.
Nach der Rückkehr aus Italien zieht Adrian Leverkühn auf den alten Bauernhof Pfeiffering in der Umgebung Münchens, hält aber die gesellschaftliche Verbindung zu seinen Münchner Bekannten aufrecht. Rudi Schwerdtfeger, einem Konzert-Geiger, gelingt es, mit hartnäckiger Zutraulichkeit Leverkühns Distanziertheit und Kontaktscheu zu überbrücken. Für ihn komponiert Leverkühn sogar ein Violinkonzert, seinem Werben und Bitten um dieses verbindende Musik-Werk nachgebend. Rudi Schwerdtfeger wird neben dem Chronisten Zeitblom, dem Kindheitsfreund, der einzige, mit dem Leverkühn sich duzt.
Aber Leverkühn muss sich von Schwerdtfeger trennen, will er dem Teufel Wort halten. Er schickt den Freund in den Tod. Eine Rolle weist er dabei einer gemeinsamen Bekannten zu, Marie Godeau. Zu ihr schickt er Rudi Schwerdtfeger als Werber und lässt ihr durch ihn einen Heiratsantrag machen. Es kommt, wie von Leverkühn erwartet. Die Umworbene entscheidet sich für den Werber und nicht für den, der den Werber geschickt hat. Und weiter verwirklicht sich Leverkühns infamer Plan. Schwerdtfeger hatte bis dahin ein heftiges Liebesverhältnis mit einer verheirateten Frau, Ines Institoris. Die verlassene Geliebte, eine exaltierte und überspannte Frau, rächt sich und erschießt Schwerdtfeger.
Nach der Schwerdtfeger-Katastrophe zieht sich Adrian Leverkühn immer mehr vom gesellschaftlichen Leben zurück. Nun lernt er seinen Neffen Nepomuk, genannt Echo, den Sohn seiner Schwester Ursula, kennen. Echo bleibt einige Zeit auf Hof Pfeiffering. Leverkühn erfasst eine tiefe Zuneigung zu dem Kind, von dem ein elfenhafter Reiz ausgeht. Diese keusche Pädophilie lässt der Teufel nicht zu. Er nimmt ihm das Kind, lässt es unter grauenvollen Schmerzen an einer eitrigen Hirnhautentzündung sterben.
1930 ist Leverkühns Frist abgelaufen und die Hölle tritt in ihre Rechte. Das zeigt sich im Finale des Romanes krass und bestürzend. Leverkühn hat Freunde und Bekannte eingeladen, um ihnen aus der Partitur des gerade abgeschlossenen Oratoriums Doktor Fausti Weheklag vorzuspielen, sein erstes vollständig in Zwölftontechnik geschriebenes Werk. In der Szene, die mit dem Musikvortrag Kretzschmars in Kaisersaschern korrespondiert, kompositorisch jedoch dem historischen Faustbuch von 1587 folgt, zeigt das sprachliche Gebaren Leverkühns mehr und mehr, dass er psychotisch ist. Die Versammelten reagieren zunächst mit Befremden, dann verstört, empören sich schließlich und flüchten. Leverkühn verliert das Bewusstsein. Nur seine Freunde bleiben. Als er aus einem lang anhaltenden Koma wieder erwacht, ist sein geistiges Leben erloschen.
Er wird in eine Nervenheilanstalt verbracht. Nach Abschluss der Diagnostik nimmt seine Mutter ihn die folgenden zehn Lebensjahre in Pflege. Freunde erkennt er in seinem Dahindämmern nicht mehr. Quelle: Wikipedia
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