Autor:
Walter Kempowski
Sprecher:
Otto Sander, Rolf Boysen, Leslie Malton, Peter Fitz, Thomas Holtzmann, Corinna Kirchhoff, u.v.a.
Regie:
Walter Adler
Produktion:
Hessischer Rundfunk / Bayerischer Rundfunk / Südwestfunk / Norddeutscher Rundfunk, 1995
Verlag:
DHV, 1995
Walter Kempowski / Walter Adler, Der Krieg geht zu Ende, 7 CDs
In mehreren Jahren intensiver Such- und Sammelarbeit hat der Schriftsteller Walter Kempowski über 5000 Familiennachlässe zusammengetragen. Aus den Briefen, Tagebüchern und Alltagsdokumenten hat Walter Adler eine lebendige und facettenreiche Collage erstellt, die einen beeindruckenden Einblick in das Jahr 1945 erlaubt. Die privaten Erfahrungen und Erlebnisse zeichnen detaillierte, überaus persönliche Bilder vom Ende des 2. Weltkriegs.
Gesprochen wird die Chronik für Stimmen von über 200 renommierten Schauspielern, darunter Rolf Boysen, Otto Sander, Rosemarie Fendel u.v.a.
Walter Kempowski
Walter Kempowski, 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren, erlebte den Krieg als Flakhelfer. 1947 fand er Anstellung bei der US-Army in Wiesbaden. Ein Jahr später wurde er bei einem Besuch in Rostock wegen Spionageverdachts verhaftet. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn zu 25 Jahren Zwangsarbeit. Bis zu seiner Amnestierung 1954 blieb Walter Kempowski in Bautzen inhaftiert. Ab 1960 lehrte er an einer Dorfschule in Norddeutschland, bevor er 1980 sein vielbeachtetes zeithistorisches Archiv ins Leben rief.
Akribisch sammelte Walter Kempowski deutsche Schicksale in Form von Tagebüchern, Fluchtberichten, Briefen, Fotos und Lebenserinnerungen. Seine Veröffentlichungen ließen ihn rasch zu einem der meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren aufsteigen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Familienchronik „Tadellöser & Wolff” (1971), „Ein Kapitel für sich” (1975), „Schöne Aussicht” (1981), das Sachbuch „Haben Sie Hitler gesehen?” (1973) und „Echolot” (1993).
Otto Sander
Otto Sander, Jahrgang 1941, studierte erst Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik, bevor er die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München absolvierte. Von 1970 bis 1981 gehörte er zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Seit 1975 versucht sich der vielseitige Schauspieler auch als Regisseur und inszenierte O’Caseys "Das Ende vom Anfang", Frayns "Der nackte Wahnsinn" am Schauspielhaus Zürich und drehte zusammen mit Bruno Ganz den Kurzfilm "Gedächtnis". Otto Sander spielte in zahlreichen bekannten Film- und Fernsehproduktionen, u.a. in "Die Blechtrommel", "Das Boot" sowie in "Der Himmel über Berlin" und "In weiter Ferne, so nah" von Wim Wenders. Er blieb aber immer auch der Bühne treu, wo er in den großen Rollen der Theatergeschichte brilliert und begeistert.
In George Bernard Shaws "Pygmalion" spricht er den Pickering, außerdem ist er in Helma Sanders-Brahms moderner Fassung von "Tausendundeine Nacht" zu hören.
Rolf Boysen
Rolf Boysen wurde 1920 in Flensburg geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Kriegsdienst begann er seine schauspielerische Ausbildung in Hamburg. Ab 1948 war er an den staatlichen Bühnen in Dortmund, Kiel, Hannover und Bochum engagiert.
Von 1957 bis 1968 gehörte Rolf Boysen zum Ensemble der Kammerspiele in München. Danach spielte er zehn Jahre am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, unter anderem 1969 die Titelrolle in Fritz Kortners Inszenierung von Schillers "Don Carlos". Seit 1978 stand Rolf Boysen wieder auf der Bühne der Münchner Kammerspiele und gilt bis heute als Doyen des Ensembles um Dieter Dorn - 2000 wechselte er mit ihm ans Münchner Residenztheater.
Von 1993 bis 1999 verkörperte Boysen Shakespeares König Lear unter der Regie von Dieter Dorn, eine besondere und doch nur eine der mehr als hundert Rollen seiner Laufbahn. Als Wallenstein und Michael Kohlhaas ist er im Fernsehen auch einem breiten Publikum begegnet. Im Januar 2000 erhielt „der großartige Schauspielkünstler“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG) den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München.
„Boysen liebt die komplexen Figuren, er gibt ihnen, was ihnen scheinbar fehlt, Einfachheit und damit Leben. Er nimmt ihnen nichts von ihrer Fremdheit aber er macht sie verständlich“. Wieland Schmied, Präsident der Akademie der schönen Künste (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 22.01.2000). Für den Hörverlag las er bereits einige seiner gesammelten Essays aus "Nachdenken über Theater", die 1997 im Verlag der Autoren erschienen sind. In Umberto Ecos "Der Name der Rose" spricht er die Rolle des Malachias von Hildesheim.
Leslie Malton
Leslie Malton, geboren in Washington D.C, wuchs in Berlin, Washington, Wien, New York, Boston und London auf. Seit Anfang der 80er Jahre ist sie in zahlreichen Film- und Fernsehrollen sowie am Theater zu sehen. So arbeitete sie über acht Jahre mit George Tabori zusammen, z.B. in "Mein Kampf" (Stück des Jahres 1987) und "Weißmann und Rotgesicht" am Burgtheater Wien.
Leslie Malton wurde u.a. mit dem Charlie-Chaplin-Schuh als beste Darstellerin (1986), der Goldenen Kamera als Entdeckung des Jahres (1990) sowie mit dem Bayerischen Fernsehpreis und Tele Star (1993) für ihre Darstellung in "Der große Bellheim" und "Die Umarmung des Wolfes" ausgezeichnet. Leslie Malton lebt heute in Berlin.
Peter Fitz
Peter Fitz, geboren 1931, lernte an der Schauspielschule des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, bevor er 16 Jahre lang zum Ensemble der Berliner Schaubühne gehörte. Neben Engagements am Schiller-Theater Berlin, der Freien Volksbühne Berlin, bei den Münchner Kammerspielen, am Burgtheater Wien und am Staatstheater Stuttgart ist Peter Fitz auch dem Film- und Fernsehpublikum bekannt, unter anderem spielte er in „Auf Wiedersehen".
Peter Fitz war nach seiner Ausbildung an der Schauspielschule des Deutschen Schauspielhauses Hamburg von 1970 bis 1986 Mitglied der Schaubühne Berlin. Als Gast spielte er hochkarätige Rollen am Schiller-Theater Berlin, an der Freien Volksbühne Berlin, an den Münchner Kammerspielen, am Burgtheater Wien und am Staatstheater Stuttgart. Er ist bekannt durch seine Auftritte in Film und Fernsehen, u.a. war er in „23” unter der Regie von Hans Christian Schmid und „Der Laden”, Regie Jo Baier, zu sehen. 1996 wurde Peter Fitz als „Bester Europäischer Schauspieler” ausgezeichnet.
Thomas Holtzmann
Thomas Holtzmann wurde 1927 in München geboren. Nach zwei Jahren Schauspielunterricht bei Paul Wagner in München und dem Studium der Theaterwissenschaften bei Artur Kutscher debütierte er als Jason in Anouilhs "Medea" am Ateliertheater München. In der folgenden Zeit war er an verschiedenen Bühnen engagiert, unter anderem am Landestheater Schleswig, den Städtischen Bühnen Nürnberg und Köln.
1957 erhielt Thomas Holtzmann den Berliner Kunstpreis, 1961 gelang ihm der Durchbruch, als er am Berliner Schiller-Theater als Prinz von Homburg in Kleists gleichnamigem Stück brillierte. Seitdem ist Thomas Holtzmann in den großen Tragödien zuhause, immer wieder spielt er Shakespeare-Rollen, „in denen er mit archaischer Wucht immer neue Grenzen einer Figuren-Zeichnung aufbricht“ (ABENDZEITUNG).
Während seiner Engagements am Wiener Burgtheater, bei den Salzburger Festspielen und der Schaubühne in Berlin spielte er unter anderem in „Das Spiel des Schweigens“ (1964, Regie: Claus Peymann), „Torquato Tasso“ (1982, Regie: Dieter Dorn), „Triumph der Liebe“ (1985, Regie: Luc Bondy) und „Julius Caesar“ (1992, Regie: Peter Stein).
1986 trat er dem Ensemble der Münchner Kammerspiele bei, wo er mit den Großen seiner Zunft zusammenarbeitete, immer wieder auch mit Regisseur Dieter Dorn, so von 1993 bis 1999 in „König Lear“ und „Der Schein trügt“ (1998). 2000 wechselte er mit Dieter Dorn ans Bayerische Staatsschauspiel.
Thomas Holtzmann, „einer der großen Tragikomiker des deutschen Schauspiels“ (THEATER HEUTE), ist aber auch seit Jahrzehnten in Film und Fernsehen viel beschäftigt. Im Kino war er u.a. in „Schtonk“ (1991, Regie: Helmut Dietl) und in „Pünktchen und Anton“ (1998, Regie: Caroline Link) zu sehen, in „Der Bulle von Tölz“ (1998) ist er auch dem Fernsehpublikum bekannt.
Für seine schauspielerischen Leistungen wurde Thomas Holtzmann 1989 mit dem Fritz-Kortner-Preis und 1992 mit dem großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er gehört seit Jahren zu den bedeutendsten Protagonisten des deutschen Theaters. In Hermann Melville's "Moby Dick oder Der Wal" spricht er den Zimmermann.
Corinna Kirchhoff
Corinna Kirchhoff, studierte an der Hochschule der Künste in Berlin und erhielt 1984 ihr erstes Engagement an der Schaubühne Berlin. Sie arbeitete mit Peter Stein, Luc Bondy, Klaus-Michael Grüber u.a. und spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, z.B. in „Das Spinnennetz“ von Bernhard Wicki. 1994 wurde sie zur Schauspielerin des Jahres gewählt.