Hörbuch - Heinrich und Thomas Mann, Nicht einverstanden! Briefwechsel 1900 - 1950, Lesung, 4 CDs
Der Briefwechsel der Brüder Mann gehört zu den fesselndsten und aufschlussreichsten literarisch-biographischen Dokumenten des vergangenen Jahrhunderts. Einmal, weil es sich um die Briefe zweier bedeutender Schriftsteller handelt, die brüderlich miteinander verbunden waren und die sich doch als scharfe Konkurrenten sahen; beispielhaft aber auch, weil sich am Verhältnis der Brüder Mann die Wege und Irrwege des deutschen Bürgertums in diesem Jahrhundert beschreiben lassen. Beide entstammen sie einer hanseatischen Großbürgerfamilie, gingen im Kaiserreich verschiedene Wege und fanden schließlich zusammen im Kampf gegen Hitler-Deutschland, das beide aus Deutschland vertrieb.
Heinrich Mann Der in Lübeck geborene Heinrich Mann tat sich zunächst im Buchhandel um und studierte anschließend in München und Berlin, ehe er sich der Schriftstellerei zuwandte. Im Gegensatz zu Thomas neigte Heinrich in seinen zeitkritischen Werken eher dem Sozialismus zu, was zu Spannungen zwischen den Brüdern führte. Auch er ging in die Emigration und kämpfte von außen gegen die Naziherrschaft. Kurz vor seiner Rückkehr hatte ihm die DDR die Präsidentschaft der Deutschen Akademie der Künste angetragen und ihn mit dem Nationalpreis geehrt.
Thomas Mann Thomas Mann wurde 1875 als Sohn einer Kaufmanns- und Senatorenfamilie in Lübeck geboren. Ohne Abitur und abgeschlossene Ausbildung arbeitete er als Redakteur beim "Simplicissimus", bevor ihm der Roman "Buddenbrooks" (1901) und die Erzählung "Tonio Kröger" (1903) ein Leben als Schriftsteller ermöglichten und ihn schon in jungen Jahren berühmt werden ließen. 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur, vier Jahre später muss der Schriftsteller aber schon aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrieren. Von 1933 an lebt Thomas Mann im Exil, erst in der Schweiz, ab 1938 in den USA. Dort nimmt er 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1952 kehrte Thomas Mann in die Schweiz zurück, wo er 1955, kurz nachdem er zum Ehrenbürger der Stadt Lübeck ernannt wurde, in Kilchberg bei Zürich starb.
Der Autor bezeichnete "Tonio Kröger" als seinen "Werther" und sein "Lieblingskind". Er versteht es, der Novelle durch seinen Vortrag etwas Besonderes mitzugeben: eben jene Mischung "aus Wehmut und Kritik, aus Innigkeit und Skepsis", mit der er sein Werk charakterisiert hat.