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Hans Castorp, einziges Kind einer Hamburger Kaufmannsfamilie, wächst nach dem Tod seiner Eltern zunächst bei seinem Großvater, dann bei seinem Onkel Tienappel auf. Anschließend studiert er Schiffbautechnik. Vor dem geplanten Eintritt als Volontär bei einer Schiffswerft reist er in die Schweizer Alpen, um dort im Sanatorium Berghof nahe Davos seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen.
Ursprünglich beabsichtigt er, nur drei Wochen zu bleiben. Die Atmosphäre der von Hofrat Behrens und dem Psychoanalytiker Dr. Krokowski geleiteten Tuberkulose-Anstalt übt jedoch eine eigenartige Faszination auf Castorp aus. Beim Mittagessen trifft er auf vor Atemnot röchelnde oder Blut hustende Patienten, und auch auf die aufgrund ihres Pneumothorax aus der Lunge pfeifende Hermine Kleefeld. Er gewinnt den Eindruck, dass Krankheit den Menschen vergeistige und veredele, während Personen von robuster Gesundheit zu einer gewissen Einfalt neigten. Abstoßend findet er demgemäß die Kombination „krank und dumm“, wie er sie bei der „mörderlich ungebildeten“, zu fortwährenden Stilblüten neigenden Karoline Stöhr antrifft.
Bald lernt Castorp den Literaten Lodovico Settembrini kennen, einen Humanisten, Freimaurer und „individualistisch gesinnten Demokraten“, der ihm allmählich zum Freund wird. In zahllosen Belehrungen über philosophische und politische Fragen aller Art betätigt sich der Italiener als pädagogischer Förderer Castorps. Diesen erinnert die Mischung aus südländischer Erscheinung und abgetragener Kleidung an einen italienischen „Drehorgelspieler“. Der Humanist, dessen Leitstern die „Sonne der Aufklärung“ ist, bejaht, ehrt, liebt „den Körper (…), die Schönheit, die Freiheit, die Heiterkeit, den Genuss“. Er sieht sich selbst als Vorkämpfer der „Interessen des Lebens (…) gegen sentimentale Weltflucht“ und jedwede Romantik. Konsequenterweise erscheint ihm die nachklassische Musik „politisch verdächtig“, zumal sie es verstehe, zu manipulieren (eine Wagner-Anspielung Thomas Manns). Zwei Prinzipien lägen im ewigen Kampf um die Welt, „die Macht und das Recht, die Tyrannei und die Freiheit, der Aberglaube und das Wissen, das Beharren und der (…) Fortschritt“, Europa und Asien. Gemäß seiner Familientradition engagiert sich Settembrini im Sinne „der Aufklärung, der vernunftgemäßen Vervollkommnung“. Analyse tauge zwar „als Werkzeug der Aufklärung und der Zivilisation (…) insofern sie dumme Überzeugungen erschüttert, natürliche Vorurteile auflöst und die Autorität unterwühlt (…) indem sie befreit, verfeinert, vermenschlicht und Knechte reif macht zur Freiheit“. Schädlich, „eine unappetitliche Sache“ sei sie indes, „insofern sie die Tat verhindert, das Leben an den Wurzeln schädigt.“ Eindringlich warnt Settembrini daher seinen Schützling davor, sich von dem morbiden Reiz der Anstalt beeindrucken zu lassen, empfiehlt ihm gar die Abreise.
Bald lernt Castorp die 28jährige Russin Madame Clawdia Chauchat kennen, die „kirgisenäugige“ Gattin eines höheren Beamten aus Daghestan am Fuße des Kaukasus, „schlaff, fiebrig und innerlich wurmstichig“. Obgleich verheiratet, trägt sie keinen Ehering, hat dieser doch „etwas Abweisendes und Ernüchterndes, (…) ein Symbol der Hörigkeit“. Am Mittagstisch fällt sie stets durch Zu-Spät-Kommen, lautes Türenschlagen, das Drehen von Brotkugeln und ähnliche Ungezwungenheiten auf.
Anfänglich bringt Castorp der Russin neugieriges Interesse entgegen, lässt sich von seiner Tischgenossin Frl. Engelhart ausführlich über sie berichten. Schon mit Blick auf ihren zweifelhaften Gesundheitszustand sieht er in dem „stillen Verhältnisse“ zunächst aber lediglich „ein Ferienabenteuer, das vor dem Tribunal der Vernunft (… nicht bestehen) kann“. Sehr bald steigert sich jedoch die affektierte Anteilnahme in innige Verliebtheit. Castorps Begehren wird noch durch eine gewisse Eifersucht auf Hofrat Behrens angeheizt, dem Frau Chauchat „beinahe täglich“ Modell für seine Ölgemälde sitzt.
Settembrini warnt ihn eindringlich und eifersüchtig davor, ihren Reizen zu erliegen. In ihr sieht er ein Abbild des von ihm verachteten Asiens, der Heimat fortschrittsfeindlicher „Parther und Skythen“. Die im Sanatorium vorherrschende Sinnenlust erscheint ihm vor dem Hintergrund dekadenter Trägheit geradezu frevelhaft. Mehr noch – gerade am schlechten Beispiel von Madame Chauchat bewahrheite sich eindrucksvoll seine These, wonach Krankheit nicht nur eine Folge, sondern eine Form der Liederlichkeit sei.
Während eines Karnevalsfestes, Höhepunkt und Schluss des ersten Teils des Romans, bittet Castorp Frau Chauchat bei einem Zeichenspiel um einen Bleistift. Sie überreicht ihm „ein kleines silbernes Crayon (…), dünn und zerbrechlich (…), zu ernsthafter Tätigkeit nicht zu gebrauchen“. Es kontrastiert zu dem Stift, den sich Castorp einst in seiner Jugend von seinem homoerotisch verehrten Mitschüler Pribislav Hippe ausgeliehen hatte, dem „versilberten Crayon mit einem Ring, den man aufwärts schieben musste, damit der rot gefärbte Stift aus der Metallhülse wachse“ - ein eindeutig phallisches Motiv. Nachdem Frau Chauchat ihre unmittelbar bevorstehende Rückreise nach Daghestan angekündigt hat, gesteht ihr Castorp in einer ergreifenden, großteils in französischer Sprache gehaltenen Szene überschwänglich seine Liebe. Die sich anschließende Liebesnacht wird in der endgültigen Fassung des Romans nur behutsam angedeutet: Einerseits besitzt Hans Castorp nach diesem Abend das "Innenportrait" Clawdia Chauchats, das diese nach eigener Auskunft in ihrem Zimmer aufbewahrt; wahrscheinlich hat Castorp sie also auf ihr Zimmer begleitet. Andererseits mahnt Clawdia ganz zum Ende des Kapitels, Castorp solle nicht vergessen, ihr ihren Bleistift zurückzugeben und lädt ihn damit indirekt zu einem Besuch in ihrem Zimmer ein. In einem späteren Kapitel lässt Hans Castorp Peeperkorn nicht im Zweifel darüber, dass er Clawdias Liebhaber gewesen ist.
Nicht zuletzt mit Blick auf die äußere Routine des geregelten Sanatoriumlebens mit seinen festen Aufsteh-, Essens-, Untersuchungs- und Ruhezeiten nimmt Castorp die Zeit subjektiv anders wahr; sie wirkt auf ihn wie eine „ausdehnungslose Gegenwart“. Zunächst hält er sich für völlig gesund, eine Einschätzung, die die Klinikleitung nicht teilt. Auf Hofrat Behrens’ Rat bleibt er vorerst auf dem Berghof, nimmt zunehmend an therapeutischen Maßnahmen wie den Liegekuren teil. Die resolute Oberin Adriatica von Mylendonk verkauft ihm sogar ein Fieberthermometer, damit er, wie die anderen Berghofbewohner, mehrmals täglich seine Temperatur messen kann. So wird auch im Rahmen einer Röntgenuntersuchung auf Castorps Lunge eine „feuchte Stelle“ gefunden, die sich zunehmend ausweitet. Die Tagesordnung der Patienten beginnt, "in seinen Augen das Gepräge einer heilig-selbstverständlichen Unverbrüchlichkeit anzunehmen, so dass ihm das Leben im Flachlande drunten (…) fast sonderbar und verkehrt erschien."
Später besucht er Dr. Krokowskis Vortragsreihe, in welcher der Psychoanalytiker die zentrale These behandelt, dass „Krankheitssymptom(e) (…) verkappte Liebesbetätigung und alle Krankheit verwandelte Liebe“ sei. Schließlich treibt Castorp diverse Studien etwa auf medizinischem und psychologischem Gebiet.
Settembrini, unheilbar krank, verlässt den Berghof, um ins nahe gelegene „Davos-Dorf" zu ziehen. Er bezieht Quartier im Haus eines "Gewürzkrämers", in dem auch sein intellektueller Widerpart wohnt, der asketische Jesuit Naphta, ein zum Katholizismus konvertierter galizischer Jude mit bewegter Vergangenheit. Naphta ist ein brillanter, rhetorisch begabter und sophistisch-kalter Logik verpflichteter Intellektueller, vor dessen Einflüssen Settembrini seinen jungen Freund erfolglos fernzuhalten versucht. In anarcho-kommunistischer Tradition strebt er nach der Wiederherstellung des „anfänglichen paradiesisch justizlosen und gottesunmittelbaren Zustands“ der „Staat- und Gewaltlosigkeit (…), worin es weder Herrschaft noch Dienst gab, nicht Gesetz noch Strafe, kein Unrecht, keine fleischliche Verbindung, keine Klassenunterschiede, keine Arbeit, kein Eigentum, sondern Gleichheit, Brüderlichkeit, sittliche Vollkommenheit.“ Nach Abschaffung „der Greuel des modernen Händler- und Spekulantentums (…) der Satansherrschaft des Geldes, des Geschäfts“ sei ein totalitärer, auf Terrorismus gestützter Gottesstaat zu errichten; das Prinzip der Freiheit sei ein überlebter Anachronismus.
Auch Vetter Joachim Ziemßen, Berufssoldat und Offiziersanwärter, verläßt entgegen dem Rat der Ärzte das Sanatorium, um wieder aktiv und im Militärdienst zu leben. Mit verschlimmertem Leiden kommt er zurück. Der verbliebenen Frist gibt er einen Inhalt mit der Betreuung anderer Todgeweihter, zusammen mit Hans Castorp. Schließlich stirbt er diszipliniert und mit Haltung. Im Rahmen einer der von Dr. Krokowski geleiteten spiritistischen Sitzungen wird sein Geist aus dem Totenreich heraufbeschworen.
Dieses Kapitel, „Schnee“, kann als Höhepunkt der zweiten Hälfte, vielleicht des ganzen Romans, bezeichnet werden, behält aber trotzdem „episodischen“ Charakter:
Während eines Skiausflugs im Hochgebirge, leichtfertig die Gefahr im „weißen Nichts“ der Schneelandschaft hinnehmend, gerät Hans Castorp in einen lebensbedrohlichen Schneesturm. Er muss ihn im Windschatten eines Heuschobers abwarten und schläft, erschöpft von der ungewohnten Anstrengung, ein. In diesem Schneetraum sieht er zunächst eine „wunderschöne Bucht am Südmeer“, mit „verständig-heiterer, schöner, junger Menschheit“, „Sonnen- und Meereskinder“, die einander „mit Freundlichkeit, Rücksicht, Ehrerbietung“ begegnen. Im Rücken dieser verklärten Szenerie spielt sich freilich höchst Schauerliches ab: Zwei Hexen zerreißen und fressen über flackerndem Feuer ein kleines Kind. Halb erwacht und die beiden Traumbilder vergleichend, erkennt Hans Castorp, dass menschliche Form und Gesittung letztlich die Bewältigung des Grässlichen und Rohen in uns sind. Nun zweifelt er an seinen einseitigen Mentoren Settembrini und Naphta, aber auch an den Gegensatzpaaren „Tod-Leben“, „Krankheit-Gesundheit“, „Geist-Natur“. Der Mensch sei vornehmer als sie, und weil sie nur durch ihn existieren, sei er Herr über die Gegensätze. Aus Sympathie mit dem Menschengeschlecht beschließt Hans Castorp, das Wissen um den Tod zwar nicht zu verdrängen, aber fortan folgenden Leitsatz zu beherzigen, der als einziger im ganzen Roman kursiv geschrieben ist: Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken. Hans Castorp hat diese Maxime schon bald vergessen, nachdem er dem Schneesturm rechtzeitig entkommen ist. Tatsächlich sind es im Wesentlichen Thomas Manns eigene Überlegungen, für ihn selbst und den Leser niedergeschrieben.
Nach sieben Jahren kehrt Clawdia Chauchat zurück, in Begleitung ihres Liebhabers, des niederländischen Kaffee-Pflanzers Mynheer Pieter Peeperkorn. Ungeachtet seiner Eifersucht zeigt sich Hans Castorp von den wirkungsvollen Auftritten des "Kaffekönigs" beeindruckt. Gegen seine Persönlichkeit "verzwergen" die Intellektuellen Naphta und Settembrini. Mit „sommersprossig-nagelspitzer Kapitänshand“ trinkt Peeperkorn Wein aus Wassergläsern, er experimentiert mit Chinarinde, Schlangengiften und Drogen, das Leben betrachtet er als „ein hingespreitet Weib, mit dicht beieinander quellenden Brüsten (…), das in herrlicher, höhnischer Herausforderung unsere höchste Inständigkeit beansprucht, alle Spannkraft unserer Manneslust, die vor ihm besteht oder zuschanden wird.“
Peeperkorn kann den intellektuellen Disputen zwischen Settembrini und Naphta wenig abgewinnen. Seine Bemerkungen sind oft nur ein vages Ungefähr. Auch gelingt es Peeperkorn häufig nicht, seine Sätze zu Ende zu führen. Er überzeugt einzig vermöge der Wucht seiner Persönlichkeit. Hans Castorp erlebt zu seinem Erstaunen, was persönliche Ausstrahlung und Charisma bewirken. Während einer schwerer Erkrankung, den Verlust seiner Lebens- und Manneskraft befürchtend, stirbt Peeperkorn durch Suizid mit Gift, das er sich mit einem sonderbar konstruierten, an „das Beißzeug der Brillenschlange“ erinnernden Apparat injiziert. Madame Chauchat verlässt den Berghof daraufhin für immer.
Modell für Peeperkorn war Thomas Manns Schriftstellerkollege Gerhart Hauptmann, der sich beim Lesen wiedererkannte (Bleistift-Marginalien in Hauptmanns Lese-Exemplar; Beschwerdebrief an den gemeinsamen Verleger S. Fischer). Auch Max Liebermann hatte anlässlich einer Lesung die Vorlage der narrativen Karikatur sogleich erkannt.
Gegen Ende des Romans verflachen die Aktivitäten der meisten Berghofbewohner zu Langeweile und banalem Zeitvertreib wie Briefmarkensammeln, Fotografieren und Schokoladeessen. Castorp wendet sich mit Vergnügen dem neu angeschafften Grammophon zu, auf dem er sich u. a. Schuberts Lied Der Lindenbaum anhört. Der zwischen Settembrini und Naphta von jeher schwelende weltanschauliche Streit eskaliert indes. Schließlich mündet er gar in einem Pistolenduell, in dessen Verlauf sich Naphta aus Wut und Verzweifelung selbst tötet.
Aus dem ursprünglich geplanten dreiwöchigen Aufenthalt im Sanatorium sind für Castorp mittlerweile sieben Jahre geworden. Erst der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist der unerwartete „Donnerschlag“, der den vermeintlich "Endgültigen" aus dem passiven Dasein in der Abgeschiedenheit des "Berghofs" reißt. Hastig kehrt die internationale Patientenschaft in ihre Herkunftsländer zurück, darunter auch Hans Castorp selbst. Dessen überstürzte Rückreise führt ihn jedoch in eine vollkommen veränderte – entbürgerlichte – Welt.
Im letzten Kapitel zieht Castorp, Schuberts Lindenbaum auf den Lippen, in den Krieg. Als gewöhnlicher Heeressoldat im Schlachtgetümmel nimmt er an einem der zahllosen Angriffe an der Westfront teil. Dort gerät er schließlich aus dem Blickfeld des Lesers; sein Überleben im Kugelhagel bleibt ungewiss. Quelle: Wikipedia
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